Ina Hacheney

Mein Weg von der Bremer Deern zur Unternehmerin

Als Bremer Deern bin ich mit einem älteren Bruder aufgewachsen. Meine Eltern waren selbständig und das hat mich schon in jungen Jahren gesprägt, jeden Abend hat meine Mutter die Tageskasse gezählt und ich durfte schon mit 5 Jahren helfen, kleine Stapel bauen. Das hat mich fasziniert und überzeugt, "das will ich auch".

 

13 Jahre war ich Eiskunstläuferin, man sagt auch "Kringeldreherin". Dieser Leistungssport fordert Ergeiz und absoluten Leistungswillen. So manches Mal bin ich so richtig auf die Nase gefallen, das tat weh, doch viel mehr tat es weh, wenn ich unzufrieden war, weil ich es gar nicht erst versucht hatte.

 

Irgendwie habe ich schon immer "mein Ding" gemacht. Mit 18 bin ich für einen Sommer nach Italien gezogen, um zu arbeiten und meine Freiheit zu genießen, meine Eltern waren nicht begeistert davon, da ich in dieser Zeit eigentlich mein Abi schreiben sollte. Nach meiner Rückkehr wartete dann eine, nicht sehr geliebte Ausbildung, zur Bürokauffrau auf mich. Mein Vater war sich sicher, "solange du die Füße unter meinen Tisch stellst..."

 

Mit 22 habe ich meinen Traum-Mann geheiratet, 2 Kinder haben unsere kleine glückliche Familie dann einige jahre später komplettiert. Die Zeit für meine erste Selbständigkeit kam dann 1995, ich habe die Firma fesche Wäsche gegründet. Wie der Name schon vermuten lässt, handelte es sich um einen Vertrieb von besonders hochwertiger und schöner Unterwäsche für Damen. Außergewöhnlich zu dieser Zeit war mein Vertriebskonzept, der Verkauf fand in erster Linie auf Dessouspartys bei den Kundinnen Zuhause statt. Ich hatte viel Spaß dabei, obwohl ich an so manchem Tag erst spät Nachts Zuhause war und morgens um 5.30 Uhr der Wecker klingelte. Da ich zum Einkauf dieser Markenwaren ein Einzelhandelsgeschäft benötigte, habe ich dieses kurzerhand eröffnet. Die Öffnungszeiten im Geschäft, die langen Nächte mit meinen Kundinnen im Dessous-Rausch, irgendwann kam dann noch ein Nagelstudio und später die Erweiterung zum Kosmetikstudio dazu. Das war zuviel, ich war nur noch müde und gestresst, meine Partnerschaft auf Messers Schneide.

 

Es kam, wie es kommen musste...

2001 zerbrach meine Ehe an der permanenten Arbeit und der fehlenden Zeit für meinen Partner, ich war plötzlich alleinerziehende Mama von zwei Mädchen, 6 und 8 Jahre. Aus der existenziellen Angst heraus entwickelte sich dann mein größtes und erfolgreichstes Unternehmen bisher, die Nails for Nature Verwaltungs GmbH & Co. KG.

 

Als Gründungskapital hatten wir nur 2.000 DM und haben in unserem eigenen Zuhause begonnen. In den nächsten 9 Jahren konnten wir das Unternehmen auf über 2 Mio. € aufbauen und 30 MitarbeiterInnen in unseren Fililaen deutschlandweit beschäftigen. In Bremen war der Online-Shop, mittlerweile in eigenen Büroräumen ansässig, 2008 haben wir das Filialsystem in ein Franchisekonzept umgewandelt.

 

Die Zeit des Unternehmensaufbaus war sowohl körperlich, als auch mental eine echte Herausforderung. Ich bin "All In" gegangen und habe meine Prioritäten ganz klar auf das Unternehmen gesetzt, die nächsten Jahre waren so ziemlich das aufregendste, was ich in meinem Leben bis dahin erleben durfte. Reisen in viele Länder, Messen, Verhandlungen mit Lieferanten, Vermietern, jeden Tag in einer anderen Stadt, in einem anderen Land. Alles war nur möglich, weil mein Ex-Mann immer bereit war für unsere beiden Mädchen da zu sein, wenn ich unterwegs war. Das hat mir persönlich oft weh getan, doch mein Wille zum Erfolg war größer als die Einsamkeit.

Und dann kam der große Knall...

 

Irgendwie habe ich es gar nicht richtig bemerkt, doch im Laufe der Jahre wurde es immer anstrengender, es gab immer mehr Streit mit meinem Partner, zuerst über Firmenbelange, später haben wir auch privat viel gestritten.

 

Warum dieser permanente Streit?

 

Uns fehlte der rote Faden, sowohl im Business als auch im Privatleben.

 

 

Wir hatten uns in verschiedene Richtungen weiterentwickelt und jeder von uns wollte das Unternehmen nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten, wir hatten keine Gemeinsamkeiten mehr.

 

Wohin hat uns das geführt?

 

Zuerst bemerkte ich es in den Geschäften, diese Streitereien stressten und verunsicherten die Mitarbeiter, dann zeigte sich die Reaktion auch bei den Kunden, sie fühlten sich nicht mehr wohl und blieben aus, den Zusammenhang zwischen dem Dauerstreit und den beginnenden Problemen im Unternehmen habe ich anfangs nicht gesehen.

 

Das diese Situation auf eine Trennung hinauslief, war absehbar.

 

Was bedeutete das für mich?

  • doppelt so viel Arbeit
  • doppelt so viel Verantwortung
  • und noch weniger Zeit

Mittlerweile ging es mir gesundheitlich nicht mehr gut. Ich konnte kaum noch schlafen, war in einem Moment zuversichtlich und im nächsten überfiel mich die Panik.

Gab es noch eine Zukunft für mich und für mein Unternehmen?

Ich hatte nur noch einen Gedanken im Kopf, das kannst du alles nicht schaffen!

 

Die Folge davon war:

  • Blinder Aktivismus
  • Ich habe viel Geld verbrannt um das Unternehmen zu retten

Meine Überforderung nahm immer mehr zu.

 

Doch Zuhause, meinen beiden Mädchen gegenüber, zählte das Motto: "Alles ist gut".

 

Kennst du das als Unternehmerin:

 

Alle Kraft in den äußeren Schein zu stecken? Stark nach außen und so unsicher im Inneren?

 

Wie fühlst du dich in dieser Situation?

 

Im Nachhinein gesehen, war das eine große Lüge und hat unglaublich viel Energie gekostet.

Ich träumte nachts immer öfter das ich falle, dieses kribbeln im Bauch, nach vorne stürzen, ohne den Boden zu sehen. 

 

Auch meine "Tagträume" waren alles andere als schön, das Kapital im Unternehmen schrumpfte immer mehr zusammen, die Ware in den Geschäften und im Shop wurde von Woche zu Woche knapper.  Die Situation sorgte dafür, dass meine Mitarbeiter immer häufiger krank waren, an Kredite oder Unterstützung durch meine Hausbank war nicht mehr zu denken.

 

Ich wünschte mir so sehr, dass doch noch alles gut wird, doch der Druck machte mich immer handlungsunfähiger.


Mein letzter Schritt, meine letzte Hoffnung

Ich beauftragte einen klassischen Unternehmensberater. Dieser kümmerte sich um die Zahlen, Daten und Fakten. In diesem Moment verloren wir auch noch unseren Steuerberater.

 

Die Mitarbeiter kündigten innerlich und nichts wurde auch nur ein kleines Bisschen besser.

 

Zahlen, Daten, Fakten, das ist nur die eine Seite eines Unternehmens. Was ich damals noch nicht wusste, war, dass ich zusätzlich noch etwas ganz anderes brauchte.

 

Was hätte mir und meinem Unternehmen in diesem Moment geholfen?

 

Wenn die Chefin wieder handlungsfähig gewesen wäre, wenn ich mental gestärkt, die Sicherheit gehabt hätte, mit einer neuen Strategie das Unternehmen retten zu können. 

 

Wenn ich heute noch einmal genau an diesem Punkte stehen würde, ich würde einige Sachen anders machen. Mein Unternehmensberater konnte nicht leisten, was ich wirklich gebraucht hätte. Nicht nur, dass ich für die Beratung noch einmal über 10.000 € verbraten hatte, ich fühlte mich durch die Beratung falsch und unfähig als Person, rutsche immer weiter in die Krise.

 

Von Tag zu Tag wurde ich handlungsunfähiger und war kaum noch in Lage Entscheidungen zu treffen.

 

2011 kam das Ende, ich war im Burnout und mein Unternehmen in der Insolvenz!


Alle 7 Jahre verändert sich das Leben...

Erst heute, 7 Jahre später, kann ich erkennen, woran mein Unternehmen gescheitert ist, kann ich wertschätzen, was ich dadurch alles gelernt habe. Der Weg bis heute, der Weg zu mir, war sehr uneben und schwer, ich bin immer wieder an meine Grenzen gestoßen. Ich denke, meine absolut positive Einstellung zum Leben, der Wille mein Leben zu genießen und  meine wunderbaren Kinder haben mich immer wieder aufstehen lassen.

 

Das Erleben hat mich flüchten lassen, ich habe meine Heimat Bremen, meine Freunde und meine Familie zurückgelassen und bin an die See gezogen. Das ist jetzt 7 Jahre her, seitdem lebe ich an der Nordseeküste, das bedeutet für mich zwar häufig längere Anreisewege zu meinen Kundinnen, doch die Lebensqualität in dieser eher ruhigen und entspannten kleinen Stadt, die Spaziergänge im Wasser und im Wernerwald gaben mir die Energie, die ich brauchte um die Kraft zu haben, wieder aufzustehen und in den Ring zu steigen.

 

Seit diesem Jahr bin ich soweit, ich möchte wieder zurück in meine Heimatstadt. In der Nähe meiner beiden Kinder und meines Enkelsohnes leben, ich konnte mir nie vorstellen, jemals wieder zurückzugehen, dort zu leben, wo alles passierte. Heute freue ich mich darauf und bin sicher, auch die Rückkehr wird eine Herausforderung. Die Suche einer schönen Wohnung für mich und meinen Vierbeiner, das gewohnte und liebgewonnene Leben hier in Cuxhaven verlassen, meine Freunde nicht mehr so häufig sehen, das ist für mich noch einmal eine große Entscheidung. Ich fühle, dass es der richtige Weg ist und ich werde ihn gehen.

 

Was ist daraus entstanden?

Seit 2017 erzähle ich als Speakerin auf der Bühne die Story meines unternehmerischen Scheiterns, um dafür zu kämpfen, dass dieses Thema in Deutschland nicht länger ein TABU bleibt und um Unternehmerinnen und Unternehmern Mut zu machen, sich trotz des Risikos für eine Gründung zu entscheiden. Für mich ist das Leben als Unternehmerin das einzige Leben, dass ich mir vorstellen kann. Wenn es anderen genauso geht, dann ist die große Chance, ein erfülltes Leben zu leben und etwas für andere und für sich selbst zu verändern, das Risiko des Scheiterns absolut Wert. Und selbstverständlich gibt es Möglichkeiten und Wege um ein Scheitern zu vermeiden.

 

Heute helfe ich Selbständigen und Unternehmerinnen, dabei, sich durch eine gute Unternehmensstrategie, Businesserfolg, finanzielle Freiheit und ein sinnvolles und glückliches Leben aufzubauen.

Leistungssportler lassen sich zum Erfolg UND im Erfolg begleiten, Unternehmer sind Leistungssportler, sie haben es nur noch nicht erkannt.

Anfragen für einen Vortrag auch gerne per E-Mail an: hacheney@hacheney-coaching.de .

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